Modell
einer Werkbetrachtung Malerei
Stand Sept. 07
Inhaltsübersicht
Erster subjektiver, spontaner Eindruck.
2. Formalanalyse der Gestaltungsmittel
Malweise / Farbauftrag / Verfahren / Technik
Farbkomposition / Farbbeziehungen / Farbkontraste
Farbharmonie / Verwandtschaft,
Farbfunktion / Wirkung¯ / Malkonzept
Formbeziehungen / Formkontraste.
Naturalistische Gestaltungsmittel / Gegenstandsdarstellung
Perspektive / Raumdarstellung,
Sonderformen zur Raumdarstellung
Stofflichkeit / Struktur / Glanzverhalten
Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
3. Interpretation / Wirkung / Bedeutung
Kunsthistorisch / stilistischer Zusammenhang
Soziokultureller Zusammenhang (religiöser, politischer, gesellschaftlicher, ...)
Im Konzept notieren, Ziel: Rationale Erklärungen in Einzelaspekten für diesen emotionalen Gesamteindruck zu finden.
Künstler / Produzent, Lebensdaten, Schaffensphase, biografische Umstände
der Bildentstehung, ...
Titel des Werks, Entstehungsdaten, Format, Technik, Anlass der Entstehung,
Ausstellungsort, Zustand des Werks, ev. Wert oder Bedeutung ....
Fragen der Semantik, “was ist dargestellt“, was bedeutet die dargestellten Einzelheiten werden untersucht.
Wenn gegenständlich oder wenig abstrahiert: Gattung zuordnen, Bildgegenstände,
Zeichen und Symbole benennen.
Wenn ungegenständlich bzw. stark abstrahiert: Formen und Formbeziehungen,
Farben und Technik beschreiben.
Wird später noch eine Kompositionsanalyse angefertigt, bitte auf diese verweisen,
um Überschneidungen zu vermeiden.
Bsp.: Gegenständlich, Porträt, Stillleben, Landschaft, Interieur,
Genre, Historienmalerei, Gruppenbild, Figurenbild, Seestück, ...
Bsp.: Ungegenständlich, Formen sind: geometrisch, organisch, informel, amorph,
... lebhaft, strukturiert, monoton, ...
Mögliche Verwendung des Bildes und Deutbarkeit einzelner Bildgegenstände feststellen, aber noch nicht interpretieren!
Bsp.: religiöse, repräsentative, profane, kommerzielle Verwendung oder symbolische, psychologische/ erotische, mythologische, ikonografische Deutbarkeit.
Beschreibung der Bildordnung im Format mit bildbeherrschenden Teilen und
der wesentlichen Bildgegenstände, Zeichen oder Formen, Beschriftungen, Signaturen,
Jahreszahlen, Bildebenen, Bildzentren, der Blickrichtung des Betrachters bzw.
der Lage des Horizontes, des Wetters, der Tages- und Jahreszeit und des Hintergrundes,
auch wenn dieser nicht bearbeitet wurde, ...
in angemessener Ordnung und Ausführlichkeit und grober Ortsangabe, aber noch
keine Analyse der Bildkomposition durchführen.
Bsp.: Hochformatiges Stillleben, im Vordergrund eine die ganze
Bildhöhe einnehmende Gipsfigur, einen antiken Amor darstellend, umgeben von
Früchten, dahinter, gestaffelt, undefinierbare geometrische Formen ... vor
unbearbeitetem Papiergrund, signiert, ...
Bsp.: Offene Flächen mit kleinteiligen, eckigen Formen, texturiert, gerundet.
Lineare Elemente konturieren einzelne Formen, ...
Fragen der Syntax, „wie ist es gemacht / zusammengesetzt“, das Zusammenwirken der Einzelheiten wird untersucht.
Die Farbkonsistenz trägt mit ihrem Materialcharakter auch zur Bildwirkung
bei. Bildträger, Mal-, Zeichen- oder Druckmaterial haben einen Ausdruckswert
durch ihren Materialcharakter. Materialien mit eigenem Ausdruckswert werden
in Bilder geklebt, montiert.
Aquarellfarbe wirkt zarter, vorsichtiger, spielerischer, spontaner als pastose
Ölmalerei oder kantiger Holzschnitt.
Besonderen Ausdruckswert haben Materialien in Materialcollagen und in Druckgrafiken,
besonders verwendet im Expressionismus und Kubismus, Surrealismus.
Wird von Vorzeichnungen ausgegangen, wird im linearen Stil und die entstandenen Flächen sorgfältig ausgemalt oder spontan mit dem Pinsel vorgezeichnet oder gleich flächig im malerischen Stil Farbe aufgetragen? Sind die Farbflächen abgegrenzt oder lösen sie sich auf?
Für die Bildwirkung spielen die sichtbaren Spuren des Malvorgangs eine wichtige
Rolle, da sie die Emotionen des Malers beim Malvorgang über gestischen Duktus
sichtbar machen. Der Duktus kann sich als eigenständiges Ausdrucksmittel verselbstständigen.
Der Farbauftrag kann lasierend in transparent angetrockneten Schichten, Farbe
für Farbe übereinander erfolgen oder bei Primamalerei von der Palette endgültig
vorgemischt deckend oder transparent auf den Malgrund aufgetragen werden,
wobei auf dem Bild nass-in nass weiter vermischt werden kann und spontane
Übermalungen möglich sind. Die Farbe wird dabei meist pastos bis plastisch
aufgetragen, kann aber auch spontan transparente, flächige Lasuren bilden
oder trocken aufgerieben werden, sodass die Leinwand sichtbar bleibt.
Für die Stofflichkeitsdarstellung ist der Duktus wesentliches Gestaltungsmittel,
er unterwirft sich in seiner Differenziertheit der Stofflichkeitsdarstellung.
Auch die Verwendung ungewöhnlicher Materialien und Techniken wie Sand als
Mittel zur Strukturierung oder Dripping, Airbrush, Anthropometrien müssen
ebenso wie besondere Hilfsmittel bei der Herstellung, zum Beispiel Fotos,
erwähnt werden.
Bsp.: Primamalerei, deckend, pastos, nass in nass, mit plastischem Farbauftrag, meist gerichteter, spontaner Duktus.
oder: Lasierende Malweise, Duktus der Stofflichkeitsdarstellung
unterworfen, differenziert, transparent, Leinwand teilweise durchscheinend,
in Glanzlichtern deckend/pastos, ...
Ab dem Impressionismus verselbstständigt sich der Duktus zunehmend als eigenständiges
Ausdrucksmittel.
Die Farbe hat drei Dimensionen: Farbton, Intensität/Reinheit und Helligkeit.
Modenamen der Farben meiden!
Schwarz und Weiß müssen wir als extreme, unbunte Farben behandeln, um eine
komplette Analyse zu erhalten.
Zuerst vorherrschende Farbtöne benennen und charakterisieren / ordnen: Farbton, Helligkeit und Intensität. Die Verwendung besonderer Farben, reduzierte Farbskala, Extremfälle wie Schwarz /Weiß, Vergoldungen oder Mischtechniken, Collagen erwähnen!
Bsp.: Vorherrschend unbunte, kühle Blau- und violette Töne steigern wenige kleine Farbflächen in reinem, hellem Gelb in ihrer Leuchtkraft. Durch Abmischungen mit Schwarz, Weiß und Nachbarfarben entstehen viele Valeurs.
Die pigmentäre Mischung kann auf der Leinwand oder der Palette pastos deckend, nass in nass oder „altmeisterlich“ in lasierenden Schichten übereinander erfolgen, die optische Mischung erfolgt erst im Auge, pointillistisch, durch Verschmelzung nebeneinandergesetzter Farbpunkte auf der Leinwand. Schwarz- und Weißabmischungen dienen der Plastizitätsdarstellung. Untereinander gemischt werden sie um sie harmonisch aneinander anzugleichen, mit den Nachbarfarbtönen, um durch viele Valeurs impressionistische Lebendigkeit ins Bild zu bringen.
Bsp.: Corinth mischt in Primamalerei, pigmentär nass in nass, deckend, Macke in Aquarellen lasierend, Seurat pointillistisch, im analytischen Kubismus interessierte die Plastizität mit Hell-Dunkelabmischungen, im Impressionismus die Spontaneität des Lichts in vielen Valeurs.
Untersuchung der Harmonie oder Gegensätze in der Farbgebung, nach den Gesetzen,
Kontrasten, von Itten!
Die Farbkomposition untersucht die Ordnung und das Zusammenwirken der Farben
in der Bildfläche nach den Regeln der ¯Gestaltphänomene und nach
psychologischen Wirkungen.
Bsp.: Von den reinbunten Farben Gelb, Rot, Blau stehen zwei etwa gleich stark beieinander.
Bsp:. Schwarz-Weiß, Gelb-Violett.
Farben aus der linken- und rechten Hälfte des Farbkreises, Bsp.: Blaugrün- Gelborange stehen sich gegenüber.
Farben, die sich im Farbkreis diametral gegenüberstehen, Bsp.: blau-Orange, Rot-Grün, Gelb-Violett.
Leuchtkräftige Farbe gegen getrübte Farbe, Bsp.: Gelb-Violett, Orange-Dunkelgrau.
Farbmenge, flächenmäßig gegeneinander abgeschätzt.
Reizüberflutung durch eine Farbe und Bildung scheinbarer Komplementärfarben, durch das simultane Zusammenwirken mehrerer der bisher genannten Kontraste,
Bsp.: Qualitäts- Hell-Dunkel- und gleichzeitiger Quantitäts-Kontrast, großflächiger dunkelblauer Himmel gegen kleine rein gelbe Sterne zur Darstellung von Licht.
.. heißt Gleichgewicht, zum Beispiel wenn die Farben, miteinander vermischt,
ein annähernd neutrales Grau ergäben.
Werden die Farben untereinander gemischt, so wirken sie verwandt und harmonieren,
wirken ausgeglichen, ruhig, stabil.
Harmonieregeln können geometrisch am Farbkreis definiert werden. Dreiecksbeziehungen
im Farbkreis bilden Farbklänge.
Bsp.: Das hellgelbe Bildzentrum wird von zwei dunklen, vertikalen Formen eingespannt, die sich ihrerseits von unten her kleinteilig in blaugraue Tupfen auflösen. Bedrohlich schwebt das schwere Rot in der linken oberen Bildecke, abgedunkelte Randzonen rahmen ...
Man unterscheidet zwischen buntem, chromatischem, farbenbestimmtem- und unbuntem, achromatischem, tonwertigem Malkonzept. Von bunt nach unbunt: koloristisch, chromatisch, valeuristisch, monochrom, Grisaille.
Bsp.: koloristisch: Kirchner, Rembrandt: chromatisch, Monet: valeuristisch, Picasso, blaue Periode: monochrom.
Die Farbfunktion beschreibt die Aussageabsicht, die Beziehung des Bildes zur Wirklichkeit, die der Maler mit der Farbgebung verfolgt.
.. die Farbe hat den Darstellungswert eines Gegenstands, objektiv betrachtet,
wirkt sachlich, nüchtern, wissenschaftlich.
Besonders in der Renaissance und im Klassizismus verwendet.
.. zeigt die Farbe, wie sie beim Betrachter erscheint, beeinflusst durch
Wetter, Lichteffekte, äußere und subjektive, virtuelle Einflüsse, die Wirkung
kann auch outriert werden, subjektiv, passiv. Stimmungsvoll, emotional. Meist
führt sie zum valeuristischen oder chromatischen Malkonzept.
Starkes „sfumato“ gehört auch zur Erscheinungsfarbe.
Ab der Renaissance ab und zu in Form von „sfumato“ im Tiefenraum des Bildes
verwendet, besonders aber von Turner und den Impressionisten.
.. religiöse Bedeutung von Farben zum Darstellen abstrakter Sachverhalte,
abstrakt, belehrend, Symbolwert der Farbe.
Stammt aus dem Spätmittelalter, religiös geprägte Bedeutung, wird in der Neuzeit
bei religiösen Bildthemen noch verwendet.
.. die psychologische Wirkung der Farbe wird zur Darstellung subjektiver
Empfindungen oder Charakterisierung verwendet, Ausdruckswert. Im Expressionismus
führt ihre Anwendung meist zum koloristischen Malkonzept, die Farben werden
outriert, übersteigert, verfremdet und großflächig eingesetzt, meist mit vielen
Kontrasten, um innere Vorgänge zu verdeutlichen, auszudrücken..
Speziell seit Freuds Entdeckung der Psychoanalyse hat sich diese Funktion
in der expressiven Malerei etabliert.
auch absolute Farbe, auch dekorative Farbe, Schmuckfarbe,
.. sie hat keine erkennbare Darstellungsabsicht von Wirklichkeit außerhalb
des Bildes, Eigenwert der Farbe, ornamental, dekorativ.
Verwendet bei den Fauves, in der OP- und POP-Art und in der abstrakten Malerei,
teilweise auch im Kubismus.
Aufforderungscharakter bei Zeichen, Schildern, Schockfarbe, oft fluoreszierend,
plakativ
In der „Signalkunst“, Frankreich, 60ger Jahre, verwendet.
Als Bewegungsspur sind die Formen im Bild, vom Duktus im Detail angefangen, bis zu großen, gestischen, das Bild gliedernden Formen, wesentliche Bedeutungsträger. Zwischen den kleinen Formen des Duktus und den großen der Komposition muss unterschieden werden. Untersuchung der grafischen Bildelemente nach ihrer Form, Dimension und Komplexität.
Dimension null, Ausdruckswert null, erst im Verhältnis zur Bildfläche, also in einer Komposition entwickelt er einen Ausdruck. Zwei Punkte entsprechen bereits einer Linie und mehrere einer Fläche, Ordnung, Raster.
Sie hat eine Dimension. Zwei oder eine Reihe von Punkten definieren eine
Linie.
Jede Linie hat als Bewegungsspur durch ihren Duktus einen psychologischen
Ausdruckswert, einen Charakter.
Wirkung:
Waagerecht:
Passiv, liegend, erinnert an Horizont: weit, einsam, Bsp: C. D. Friedrich.
Senkrecht:
Aktiv, stehend, stabil, streng, erhaben.
Schräg:
dynamisch, aufsteigend Ú,
abfallend Ø.
Gerade:
streng, hart, kantig, beim Abknicken rechtwinklig: rational, spitzwinklig:
emotional bis aggressiv.
Kurve:
weich, sanft, fließend.
Funktionen der Linie:
Die aktive Linie ist selbstständig und dient keiner anderen Form.
Gerade:
Die Gerade hat weder Anfang noch Ende, noch Krümmung oder Knick.
Strecke:
Die Strecke verläuft auf direktem Weg vom Anfang zum Ende.
Freie Linie:
Die Linie mit Anfang und Ende und beliebigen Krümmungen, Knicken, ihr Duktus
kann auf die Erregung des Zeichners reagieren.
Bewegungsspur:
Die Linie folgt einem bewegten Objekt oder einer Geste des Zeichners.
Die mediale Linie dient als Grenze einer Innen- und Außenform.
Konturlinie:
Die Linie umschließt eine Form, passive Linie.
Binnenkontur:
Innere Gliederung einer Form, passive Linie.
Formstrich:
Die Linie folgt der Oberfläche einer Form, um diese plastisch darzustellen.
Textierende Linie:
Die Linie beschreibt eine meist plastische Oberflächenstruktur und stellt
damit Stofflichkeit dar.
Die passive Linie ist nicht selbstständig und dient nicht einmal einer Form
als Kontur, sie bildet in der Vereinigung mit vielen anderen Linien eine Fläche,
als Schraffur.
Schraffur
Mehrere Linien bilden eine Ordnung wie Raster, Struktur, Schraffur, die zusammen
eine Fläche,
einen Tonwert, ¯Schatten
und ¯Plastizität
darstellen. Die Schraffur / das Raster kann gerade, gebogen, geknickt, unendlich
oder begrenzt sein.
Die Fläche hat zwei Raum-Dimensionen. eine Umrisslinie oder eine Füllung,
Farbe, Struktur bestimmen eine Fläche.
Der Ausdruckswert einer Fläche lässt sich vom Ausdruck ihrer Kontur und Strukturierung
ableiten.
Die Grundformen sind: Kreis, Quadrat, gleichschenkliges Dreieck, alle anderen
leiten sich davon ab. Flächenformen bilden Kontraste untereinander. ¯Bildordnung / Komposition.
Geometrisch strenge Ordnungen wirken stabil, ruhig, rhythmisch lockere Ordnungen
bewegt und dynamisch.
Kantig- eckige Formen wirken hart, roh, kurvig weiche Formen geschmeidig fließend,
große stark, kleine schwach.
Flächenarten:
Kreis:
Passiv, schwebend, weiblich, weich, gefühlsbetont, unbestimmt, transzendent.
Quadrat:
Fest, massiv, schwer, männlich, hart, rational, bestimmt, ernst.
Dreieck:
Dynamisch, gerichtet, aggressiv, wandelbar, problematisch, unstet, kreativ.
Die Form kann rund, eckig, geometrisch, symmetrisch, organisch, leer oder
ausgefüllt, scharf begrenzt oder aufgelöst, verwischt, einfach oder differenziert,
offen oder geschlossen oder eine Teilfläche einer anderen Fläche, eine Negativform,
eine Primärform (einfache Gestalt) oder Sekundärform (komplexe Gestalt) sein.
Mehrere Flächen bilden eine Ordnung, wie Raster, Struktur, Gefüge, Komposition.
¯Plastizität / Körperlichkeit kann man nur mittels Licht und Schatten, Farben oder perspektivischer Verzerrung im Bild darstellen, d. h. durch Flächen. Ausnahme: Reliefs und Materialcollagen als Grenzbereich der Malerei und Grafik.
Sie erklären weshalb und woran wir Formen / Gegenstände vor einem Hintergrund
erkennen.
Dies sind nur einige wichtige Beispiele für Gestaltphänomene:
Zwischenräume zwischen dunklen Formen auf hellem Grund werden nicht als Form sondern als Grund wahrgenommen.
Geschlossene Form, nahe Linien, Innenseite von Krümmungen geben Formen an.
Symmetrische Formen schließen sich auch über größere Entfernung zu Gruppen zusammen.¯Formbeziehungen.
Einfache Gestalt siegt über komplexe Gestalt.
Größte Einheitlichkeit / Stileinheit / Linie gibt die Gestalt an.
Die Anordnung von Formen, also Punkten, Linien, Flächen und amorphen Formen und ihre Proportionen zueinander nennt man Bildkomposition, sie steht in enger Beziehung mit der Anordnung der Farben. Sie bestimmen zusammen im Wesentlichen den psychologischen Ausdruckswert eines Bildes.
Strenge Ordnung, zwei Punkte definieren eine Gerade. Viele Punkte können die Strenge der Ordnung lockern, wenn sie eine krumme Linie definieren.
Lockere Ordnung, gleichmäßige Verteilung ohne Reihung, leicht rhythmisch.
Lockere Ordnung durch Konzentration einer Streuung.
Alle Grundordnungen können miteinander kombiniert werden.
Strengstes Ordnungsprinzip, wirkt erhaben.
Raster wirkt je nach Richtung rational bis energisch.
Wirkt locker, spielerisch.
Harmonie wird durch Teilungsverhältnisse wie zum Beispiel dem „Goldenen Schnitt“,
dem „Heiligen Schnitt“ oder nach anderen mathematischen, musikalischen, ergometrischen
oder weltanschaulichen Harmonielehren erreicht. Die Wirkung der Ordnung kann
aus der Wirkung der Einzelteile und der Strenge der Ordnung abgeleitet werden.
Formbeziehungen entstehen durch ähnliche oder sich ergänzende Formen und ordnen
die Bildfläche.
Entsprechend der Farbkontraste, kann man bei Formen einige Unterschiede klassifizieren:
Der Stärkste wird von den Grundformen Kreis, Dreieck, Quadrat gebildet.
Rund gegen eckig, symmetrische, regelmäßige, einfache Grundformen gegen komplexe Formen.
Große gegen kleine, breite gegen schmale, lange gegen kurze Formen.
Senkrecht gegen waagerecht, gekrümmt gegen gerade, ...
Die naturalistischen Gestaltungsmittel untersuchen die Beziehung des Bildes zur Wirklichkeit, die Aussageabsicht, die der Maler mit der Gestaltung / Abstrahierung der Gegenstände verfolgt.
.. bestimmt die Größenverhältnisse der Einzelteile eines Bildgegenstandes
zueinander, können naturalistisch richtig oder zur Betonung verfremdet eingesetzt
werden.
Nicht aber die Größenverhältnisse verschiedener Gegenstände zueinander, ¯ Perspektive! ¯Bedeutungsperspektive.
Im Kubismus wurde die Proportion der Bedeutung des Objekts entsprechend verändert,
nach dem Vorbild „primitiver“ Kunst.
.. bestimmt die Größen- und Raumverhältnisse der Gegenstände zueinander,
nicht aber den Raum, den der Körper selbst darstellt / verdrängt, ¯Plastizität!
In der Fotografie und beim Film spricht man auch von Vogelperspektive, Froschperspektive,
Normalperspektive, damit bezeichnet man die Blickrichtung der Kamera, in der
Malerei spricht man dann von tief- oder hoch liegendem Horizont.
mit zunehmender Entfernung erscheinen Gegenstände gleicher Art verkleinert.¯Linearperspektive.
Bildgegenstände überdecken sich teilweise, ¯Röntgeneffekt,Gestaltgesetze.
geometrische dreidimensionale Körper können nach den Gesetzen der Linearperspektive verzerrt und auf zweidimensionalem Medium dargestellt werden. Die folgenden Perspektiven definieren Regeln der Verzerrung oder Umsetzung:
.. in der Realität parallele Linien sind auch in der Darstellung parallel,
eine Verkleinerung der Formen mit zunehmender Entfernung findet nicht statt,
es gibt keinen Horizont. Dies entspricht einer allgemeinen objektiven Ansicht,
nicht unseren Seherfahrungen.
Geeignet für Architekturdarstellung und technische Darstellungen, ungeeignet
für Landschaftsdarstellungen.
H = Höhendimension, B = Breitendimension, T = Tiefendimension:
Isometrie,
DIN 5, H senkrecht, B 300, T 300, 1:1:1, nicht winkeltreu
Dimetrie,
H senkrecht, B 420, T 70, 1:0, 7:1, nicht winkeltreu.
Architektenperspektive,
H senkrecht, B.300, T 600, 1:1:1, Grundriss winkeltreu.
Kavalierperspektive,
H senkrecht, B.00, T.450, 1:1:1, Front winkeltreu.
Militärprojektion,
H senkrecht, B.450, T.450, 1:1:1, Grundriss winkeltreu
In der Realität parallele Linien treffen sich in der Darstellung „im Unendlichen“,
d. h. in einem Fluchtpunkt. Die Objekte werden mit zunehmender Entfernung
linear verkleinert. Der Fluchtpunkt horizontaler Linien liegt auf dem Horizont,
der Horizont liegt auf Augenhöhe des Betrachters.
Dies entspricht einer individuellen, subjektiven Ansicht. Eignet sich für
naturgetreue, fotografische Wiedergabe, Landschaft.
Höhe senkrecht, Breite waagerecht, Tiefe zum Fluchtpunkt im Bildzentrum.
Höhen senkrecht, Breite und Tiefe zu je einem Fluchtpunkt an den Bildrändern oder außerhalb des Bildes.
Höhen Breiten und Tiefen zu je einem Fluchtpunkt, diese bilden ein gleichschenkliges Dreieck.
Fischaugenperspektive
Blickwinkel über 18o0, Linien werden gekrümmt, verzeichnet, fünf Fluchtpunkte für drei Dimensionen.
Drei Pläne für drei zweidimensionale Ansichten, aus jeder Dimension eine, abstrahiert, umgeklappt, nur für technische Darstellungen geeignet.
Richtet sich nach linearperspektivischen Regeln und Schlagschatten, ¯Licht und Schatten.
Verschleierung von Details und Verminderung des Kontrasts durch Dunst, als „sfumato“ seit der Renaissance bekannt.
Warme Farbtöne werden bei großen Entfernungen durch die blaue Luft abgeschwächt, wirken kühler, deshalb werden kühle Farbtöne zur Darstellung von Tiefe benutzt.
Der Größenvergleich dient nicht der Raumdarstellung, sondern der Repräsentation,
Darstellung von Bedeutung.
Im Mittelalter, Expressionismus und Kubismus verwendet, wirkt hinweisend,
repräsentativ, belehrend.
Vermeidung von Verkürzungen durch Umklappen des Bildgegenstands in die Bildebene
ohne Rücksicht auf natürliche Körperhaltung oder Linearperspektive.
Vor-Antik, bis in die Antike häufig, danach selten, im 20.Jh. wieder öfter
verwendet, wirkt erzählerisch, Zeichensprache, Gestik.
Durchsichtigkeiten bei Überschneidungen.
Von Kubisten, Futuristen und Expressionisten verwendet, wirkt dynamisch, bewegt,
spontan.
... bewusste Brüche in der Linearperspektive, simultane Mehransichtigkeit.
Von Kubisten zum Stilmerkmal entwickelt, wirkt bewegt, aufgelockert, spontan
subjektiv.
Zur Gestaltung eines festeren Bildgefüges werden die Bildgegenstände mit
dem Hintergrund durch Schatten verknüpft.
Im analytischen Kubismus als Stilmerkmal entwickelt, festigt die Komposition,
die wichtiger wurde, als die Bildgegenstände.
Die Oberflächenkrümmung eines Körpers bzw. der Raum, den der Körper selbst
verdrängt, wird dargestellt,
nicht aber das Verhältnis zur Umgebung oder der Zwischenraum zu Nachbargegenständen!
Perspektive!
Die Plastizität wird durch Körperschatten oder Farbmodulation auf der Körperoberfläche
modelliert, auch durch perspektivische Verkürzungen geeigneter Oberflächenstrukturen
kann die Oberflächenform dargestellt werden.
Bekannt seit der Antike, im Mittelalter schematisch abstrahiert, seit der
Frührenaissance beachtet. Cézanne ersetzte die Modellierung mit Licht und
Schatten (Schwarz-Weiß) durch Modulation der Oberfläche mit Farben. Picasso
/ Matisse lösten sich von der Plastizitätsdarstellung indem sie Licht und
Schatten nach kompositorischen Kriterien einsetzten.
Sie dienen als Körperschatten vorwiegend der Darstellung von Plastizität, aber auch der Dramatisierung des Motivs.
Als eigenständiges Gestaltungsmittel drücken sie mittels Schlagschatten und
Lichteinfallsrichtung Raumbeziehungen von Figur zu Grund, Standort im Bild, und durch
hartes oder weiches Licht Lichtstimmung, Tag / Nacht oder Wettersituation
aus.
Als Gestaltungsmittel im Barock und Impressionismus / Expressionismus beliebt,
im Kubismus verselbstständigen sich die Schatten.
Die Oberflächenbeschaffenheit, der Materialcharakter wird durch einen geeigneten,
der Oberflächenbeschaffenheit angepassten Duktus und durch die Darstellung
vom Glanzverhalten des Materials durch Glanzlichter und Strukturen und letztlich
durch die Gegenstandsfarben
und materialtypische Muster wiedergegeben. Diese Strukturen/Muster werden
manchmal zu Ornamenten vereinfacht, abstrahiert. Bei Materialcollagen werden
dazu auch reale Materialstücke verwendet.
Besonders im Barock, trompe l`oeil, und im Fotorealismus beachtet, im Kubismus
durch ornamentale Vereinfachungen dargestellt.
Die Farbfunktion beschreibt die Aussageabsicht, also die Beziehung des Bildes zur Wirklichkeit, welche der Maler mittels der Farbgebung verfolgte.
... die Farbe eines Gegenstands, objektiv bei neutral-weißem Licht betrachtet,
wirkt sachlich, nüchtern, wissenschaftlich.
Besonders in der Renaissance und im Klassizismus verwendet.
.. zeigt die Farbe, wie sie beim Betrachter erscheint, beeinflusst durch
Wetter, Lichteffekte, äußere und subjektive, virtuelle Einflüsse, die Wirkung
kann auch outriert werden, subjektiv, passiv. Stimmungsvoll, emotional.
Starkes „sfumato“ und Farbperspektive fallen auch unter Erscheinungsfarbe.
Ab der Renaissance ab und zu in Form von „sfumato“ im Tiefenraum des Bildes
verwendet, besonders aber von Turner und den Impressionisten.
.. religiöse Bedeutung von Farben zum Darstellen abstrakter Sachverhalte,
abstrakt, belehrend.
Stammt aus dem Spätmittelalter, religiös geprägte Bedeutung, wird in der Neuzeit
bei religiösen Bildthemen noch verwendet.
Rot = Liebe, Blau = Treue, Grün = Hoffnung, Gelb = Neid, Weiß = Reinheit,
...
.. die psychologische Wirkung der Farbe wird zur Darstellung subjektiver
Empfindungen oder Charakterisierung verwendet.
Speziell seit Freuds Entdeckung der Psychoanalyse hat sich diese Funktion
in der expressiven Malerei etabliert.
Rot = Emotion, Blau = Transzendenz, Grün = Harmonie, Gelb = Extrovertiertheit,
Weiß = Absolutheit, ...
.. sie hat keine erkennbare Darstellungsabsicht von Wirklichkeit außerhalb
des Bildes, sie stellt lediglich sich selbst dar, dekorativ.
Verwendet in der OP- und POP-Art und in der abstrakten Malerei, teilweise
auch im Kubismus.
In Anlehnung an die Fotografie stellen Maler Bewegung durch Bewegungsspuren, d. h. Verwischen der Formen wie in einem verwackelten Foto oder durch phasenversetzte überlagerte Momentaufnahmen wie im Film, bzw. Stoboskopfotografie oder durch gestischen Duktus dar.
Bsp.: Zeichenhaft vereinfachte Gegenstände, relief- oder collageartig, flächige Raumanordnung, Standort im Bild widerspricht Überschneidungen, Licht und Schatten lassen keine Körperlichkeit entstehen, Schatten lösen sich vom Objekt, autonome Texturierung widerspricht der Stofflichkeitserfahrung, Farbe teils als Gegenstandsfarbe, teils als autonome Farbe ...
Jede Untersuchung eines Gestaltungsmittels führt zu einem Einzelergebnis, aus welchem ein kleiner Teil der Aussage des Werkes abgeleitet werden kann. Die Zusammenfassung aller Einzelergebnisse der Formalanalysen bildet die wesentliche Basis für eine Bildinterpretation, unabhängig von der Aussageabsicht des Produzenten.
Die Interpretation versucht, auf die Frage nach dem Verhältnis des Bildes
zur „Wirklichkeit“, eine Antwort zu geben.
Unter „Wirklichkeit“ versteht dabei fast jeder Interpret etwas anderes, weil
jedes Individuum andere Lebenserfahrungen hat und sich die allgemeingültigen
Aspekte mit der Zeit verändern.
Zur Deutung der Bildaussage sollten wir auf möglichst viele Informationsquellen
zurückgreifen. Um den Aufwand auf ein vertretbares Maß zu beschränken, interpretiert
man meist unter einem speziellen Aspekt. Nach diesen Aspekten unterscheidet
man einige gebräuchliche Interpretationsmethoden, die wiederum auf typische
Quellen zurückgreifen, Mischformen sind aber durchaus üblich. Außer den hier
exemplarisch vorgestellten Methoden sind natürlich Interpretationen unter
jedem Gesichtspunkt denkbar.
So waren beispielsweise früher Interpretationen unter feministischen oder
ökologischen Gesichtspunkten sehr selten, wogegen heute religiöse oder moralische
Aspekte eine geringere Rolle spielen, als früher.
Die werkimmanente Interpretation verwendet keine Informationen, außer jenen,
die aus dem Werk selbst zur Verfügung stehen, d. h., wir brauchen zu einem
Bild weder den Maler zu kennen, noch wo, wann oder aus welchem Anlass das
Bild gemalt wurde.
Deshalb ist diese Methode immer spontan anwendbar, wenn man das „Modell einer
Werkbetrachtung“ verwendet!
Die Informationen lassen sich aus den Bereichen der Semantik, „was ist dargestellt“,
also der Bestandsaufnahme,
und der Syntax, „wie ist es dargestellt“, also der Formalanalyse,
zusammenstellen.
Zur werkimmanenten Interpretation vergleicht man die Aussagen / ikonografischen
Bedeutungen der Bildgegenstände, Zeichen und Symbole mit deren formaler Gestaltung
und sucht nach Indizien für deren Zusammenwirken zu einer sinnvollen Aussage
oder Wirkung und stellt dies dann möglichst schlüssig, logisch und übersichtlich
dar.
Die biografisch orientierte Interpretation begründet ihre Aussagen zum Bild
mit Ereignissen im Leben des Künstlers. Schaffensphasen werden mit Lebensphasen
verglichen.. Als Informationsquelle baut diese Methode auf möglichst genaue
Kenntnisse der Lebensumstände des Künstlers. Sowohl private, als auch gesellschaftliche,
kulturelle und politische Einflüsse werden untersucht. Zur Analyse einzelner
Werke geht man von einer werkimmanenten Interpretation aus.
Dabei können Differenzen in der Aussageabsicht des Künstlers und der Wirkung
des Bildes auf Rezipienten erkannt werden.
Diese Methode sieht das Bild in der historische Entwicklung von Sujets, Themen
und Gestaltungsmitteln und im Verhältnis zu anderen Bildern desselben oder
auch anderer Maler. Vorbilder und Auswirkungen auf Schüler und Epigonen werden
untersucht. Zur Analyse einzelner Werke bildet die werkimmanente Methode die
Basis.
Formale Aspekte stehen hier meist im Vordergrund, z. B.: Wer hat wann
was zum ersten Mal gemacht, auf wen reagiert?
Soziokultureller, (religiöser, politischer, gesellschaftlicher,
...) Zusammenhang
Hierbei untersucht man das Verhältnis von sozialen, politischen und kulturellen
Aspekten gesellschaftlicher Gruppen und ihren Wertesystemen zum Kunstwerk.
Hierbei untersucht man das Verhältnis von sozialen, politischen und kulturellen Aspekten gesellschaftlicher Gruppen und ihren Wertesystemen zum Kunstwerk.
Eine zusammenfassende sachlich-objektive Bewertung darf mit einer persönlichen
Beurteilung enden, wenn diese deutlich als persönliche Meinung gekennzeichnet
wird. Sie sollte der objektiven Beurteilung nicht eklatant widersprechen.
Die stark schematisierte Form wirkt extrem nüchtern, sachlich und sollte durch
„assoziatives Fabulieren“ kreativ aufgelockert werden.
c Joachim 2007